Jakob Karlzon

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Sat 08. Sep / 20:00 - 22:00 Uhr / Schuppen 6.

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Jakob Karlzon

 

„Das Leben gehört den Lebendigen an, und wer lebt, muß auf Wechsel gefasst sein“, heißt es in Goethes Wilhelm Meisters Wanderjahre.

Die Musik, die der schwedische Pianist Jacob Karlzon seit 1992 auf neun eigenen Tonträgern vorgelegt hat, ist von Veränderung und Wandel, von Brüchen und Experimentierlust geprägt. Impressionistische Improvisationen über Themen von Maurice Ravel, klassischer Hardbob und diverse Einflüsse und Spurenelemente von 80's Pop und sogar Heavy-Metal – Karlzon ist großer Fan der kalifornischen Nu-Metal Band Korn - finden sich in seiner Musik.

Der 1970 im schwedischen Jönköping geborene Pianist zählt zu der Generation Jazzmusiker, denen klar definierte Genregrenzen egal zu sein scheinen und der eher daran gelegen ist, ebendiese niederzureissen und sich aus allen stilistischen Töpfen, die die Welt für sie bereithält zu bedienen, um so Musik zu kreieren, die unverbraucht, frisch, neu, aufregend ist und die den Augenblick feiert.

„Ich kam zum Jazz, weil ich große Lust an diesem spontanen Spiel hatte. Als ich merkte, dass Improvisation vor allem eine direkte Kommunikation mit dem Publikum bedeutet, einen Austausch von Energie und Emotion, da hat es mich gepackt. Dieser Spaß hat mich süchtig gemacht nach immer mehr und mehr“, erzählt der Pianist schon 2012 in einemPresseflyer der Plattenfirma ACT.

Und so macht Jacob Karlzon vor nichts halt, um kraft seiner Töne und Klänge großformatige musikalische Bilder entstehen zu lassen. Das tut er mit seinen ganz eigenen Mitteln, und die sind verblüffend: Sowohl brillante Technik im Spiel als auch brillantes Spiel mit der Technik – neben seinen instrumentalen Fähigkeiten ist es auch eine große Vorstellungskraft für moderne Sounds, die Jacob Karlzons Musik prägt.

Die Musik seines aktuellen Trio-Albums „Now“ klingt extrem kontemporär, groovy und memorabel - Karlzon wird nicht von ungefähr zu den großen Melodikern des zeitgenössischen europäischen Jazz gezählt - und doch basieren viele seiner neuen Kompositionen auf seiner fast schon dystopischen Einschätzung der aktuellen weltpolitischen Lage.

Wenn ich an Stücken für ein neues Album arbeite, weiß ich zunächst einmal gar nicht, wohin mich diese Arbeit führen wird. Die tiefere Bedeutung, die eine Platte in ihrer Ganzheitlichkeit annehmen kann, offenbart sich mir erst nach und nach. Da war auch diese Einspielung keine Ausnahme. (…) Das Album ist ganz klar eine Momentaufnahme des fürchterlichen Zustands, in dem sich unsere Welt derzeit befindet. Wir leben in wirklich beängstigenden Zeiten. Die ganze Welt scheint gerade aus den Fugen zu geraten. Wir erleben einen Krieg in Syrien, der aus meiner Sicht in absehbarer Zeit nicht beendet werden wird. Zu viele verschiedene Parteien verfolgen dort ihre sehr eigenen Interessen und tragen ihre Konflikte auf dem Rücken der dortigen Bevölkerung aus. Ähnliches geschah schon im Irak und in Afghanistan, wo unter Vorspiegelung falscher Tatsachen die Büchse der Pandora vor fünfzehn Jahren geöffnet wurde. Die kriegsbedingte Flüchlingswelle, die nun über Europa hereinschwappt, kommt nicht von ungefähr. Hinzu kommen Millionen von Flüchtlingen, die aufgrund von hegemonialer westlicher Wirschaftspolitik schweren Herzens beschlossen haben, ihre Länder Richtung Europa zu verlassen, um sich auf die Suche nach einem lebenswerteren und besseren Leben zu machen. Hier treffen sie jetzt nach einer anfänglichen Willkommenskultur in Teilen der Bevölkerung auf immer mehr Ablehnung und Widerstand. Bereits existierende rechtspopulistische Parteien finden breiten Zulauf und sprießen wie Pilze neu aus dem Boden. Parteien, die keine Lösungen anbieten, die aber mit den Ängsten der Menschen spielen, und unsere regierenden Politiker haben diesen Populisten anscheinend nichts wirklich Konzeptionelles und Argumentatives entgegenzusetzen. Zum Glück gibt es viele, viele Menschen, die anders denken, die sich humanistisch und hilfsbereit zeigen und die sich gegen diese rechten Bewegungen stellen. Allerdings steht Europa derzeit wirklich vor einer Zerreißprobe und das hat nicht unbedingt nur etwas mit dem Brexit zu tun. Wir Europäer müssen uns entscheiden, ob wir weiterhin in einem freien Europa leben oder ob wir wieder in die Zeit der Nationalstaaten zurückfallen wollen. (…) Als ich die Musik für „Now“ schrieb, war ich natürlich tagtäglich von diesen Nachrichten umgeben und die politische Gesamtlage hat sicherlich einen nicht unerheblichen Einfluss auf meine Arbeit gehabt, erzählte Jacob Karlzon dem Autor im vergangenen Jahr für ein Feature im Jazz Podium.

Dass Karlzons Kompositionen trotz dieser sehr persönlichen und nachdenklichen Reflektionen nicht abgedunkelt und gedämpft klingen, vielmehr von Innen heraus hell zu leuchten scheinen, gar von einer fast hedonistischen Ausgelassenheit und einem starkem Optimismus durchwirkt und geprägt sind, macht sie so einzigartig und zu einem ganz besonderen Hörerlebnis.

"Wir leben in Hightech-Zeiten. Ich denke permanent über die Schnittstellen zwischen Technik und Natur nach", kommentiert Karlzon. "Wir sind und bleiben organische Wesen. Technologie ist ein Teil unserer Umwelt. Wie können wir sie einsetzen, um unseren Planeten zu retten? Genau das will ich mit der Musik hinterfragen. Es geht immer um die Kombination beider Welten."

Mit Jacob Karlzon kommt ein ganz großer Musiker des europäischen Jazz – er gilt als einer der herausragenden Pianisten in der Nachfolge eines Esbjörn Svensson (Deutschlandradio Kultur) – am 08. September zum Travejazz-Festival nach Lübeck.

 

Jacob Karlzon – Piano, Synth, Electronics

Rasmus Kihlberg – Schlagzeug
Morten Toftgaard Ramsbøl - Bass

 

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