Nighthawks

Sat 07. Sep / 20:00 - 20:00 Uhr / Schuppen 6.

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Frank Sinatra besaß eine, Elvis Presley ebenfalls. Led Zeppelin gaben ihrer den Namen „Sternenschiff“ und die Beatles schwebten mit ihr 1964 in die Vereinigten Staaten ein, um das Leben von Millionen amerikanischer Teenager mit ihrem Auftritt in der Ed Sullivan Show für immer zu verändern. Die Rede ist von der 707, Boeings Langstecken-Passagierflugzeug, das 1958 das erste Mal an eine zivile Fluggesellschaft ausgeliefert wurde. 

Dal Martino und Reiner Winterschladen haben dieser Ikone der modernen Luftfahrttechnik auf ihrem neuen Nighthawks-Album mit „The 707 Suite“  ein musikalisches Denkmal gesetzt. Träumten die beiden Musiker in ihrer Kindheit noch den sich über den Himmel ziehenden Kondensstreifen hinterher, ist das Reisen, ist die Ferne längst zu einem immer wiederkehrenden Motiv in der Musik ihrer Band geworden.

Die Nighthawks haben in der Spanne ihres über 20jährigen Schaffens ein feinkonturiertes, ästhetisches Konzept geschaffen: Musik für Reisende. So spielen Geschwindigkeit und Ruhe, Dichte und Leere, Hell und Dunkel eine zentrale musikalische Rolle im Oeuvre der Band. Die zahlreichen, eingängigen Songs sind sehr klare, auf Reduktion bedachte Stimmungsbilder, die sich vielfach auf reale und fiktive Orte in der Welt beziehen. Der Sog fast aller Songs liegt im Sehnsuchtsvollen, einer musikalischen Welt, die man als raumgreifend beschreiben kann, die immer auch Fläche für eigene Projektion sein darf. So gesehen ist die Musik der Nighthawks ein regelrechtes Road Movie.

Mit der Boeing 707 verbinde ich schöne Kindheitserinnerungen, weil meine Tanten aus Amerika mit ihr immer am Düsseldorfer Flughafen ankamen, wenn sie zu uns zu Besuch kamen. Durch diese Maschine rückten Europa und Amerika kulturell enger zusammen. Der Atlantik war plötzlich kein nur mit erheblichem Zeitaufwand zu querender Ozean mehr, sondern - wenn auch mit zunächst noch notwendiger Zwischlandung in Island - innerhalb von wenigen Stunden zu überwinden. Der kulturelle Austausch zwischen Amerika und Europa wurde dadurch enorm beschleunigt. Meine musikalischen Einflüsse kommen überwiegend aus Amerika und die Entwicklung der britischen Rockmusik in den späten 50er und 60er Jahren hätte musikhistorisch nicht die Bedeutung bekommen, wenn nicht die zeitliche Distanz zwischen den Kontinenten abgenommen hätte. Außerdem hätte sich die amerikanische Rockmusik nie so entwickelt, wie sie es getan hat, hätten nicht Bands wie die Rolling Stones, die Beatles, die Yardbirds, Led Zeppelin, Fleetwood Mac oder Cream zu ihrer Revitalisierung und Akzeptanz jenseits des Atlantiks entscheidend beigetragen. Die Grundlagen dieser Musik, der Blues und der Jazz, galten zu dieser Zeit in den USA als nicht unbedingt gesellschaftfähig und schliefen quasi einen Dornröschenschlaf. Mit der British Invasion änderte sich schlagartig alles und die Musik bekam einen Massenappeal, erzählte Dal Martino dem Autor dieser Zeilen für ein Feature im Jazz Podium. 

Bei ihrem Travejazz Festival-Gastspiel wird die mit drei German Jazz Awards ausgezeichnete Band aber nicht nur das Material des neuen Albums „707“, sondern auch viele Klassiker wie „The Consul is Driving“, „Sepulveda Blvd.“ oder „Hard Nights Day“ präsentieren.

 

Reiner Winterschladen (tr,flh), Dal Martino (bs, elec.), Thomas Alkier (dr), Jörg Lehnhardt (g), Jürgen Dahmen (keys)

 

Video 1

Video 2

 

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