Rolf Kühn 'Yellow + Blue' meets Eric Schaefer

TJ3

Fri 06. Sep / 22:00 - 23:30 Uhr / Schuppen 6.

Künstler info

 


Ruhe und Aufbruch. Erfahrung und Neugierde. Body and Soul.

 


Rolf Kühn findet solche Gegenpole extrem anziehend. Und so improvisiert und bewegt sich der 89-Jährige mit seinem Album „Yellow + Blue“ einmal mehr durch musikalisches Neuland. „Europas größter Klarinettenspieler und Freigeist“ (Jazzthetik) spielt auf seinem neuen MPS-Album Balladen und legendäre Love Songs, in die er innig eintaucht, denen er aber auch neue, ungehörte Töne entlockt. Denn eine sentimentale Rückschau ist nicht sein Ding. In seinem neuen Quartett mit Pianist Frank Chastenier, Bassistin Lisa Wulff und Tupac Mantilla (Percussion) kontrastiert Rolf Kühn seine empfindsame Seite vielmehr mit ungebremster Experimentierlust. 

 

„Für das Album habe ich einige meiner absoluten Lieblingsballaden ausgewählt, losgelöst von irgendwelchen Trends sind sie für mich einfach berührend und zeitlos schön“, sagt Kühn, „und besonders reizvoll fand ich,diese Auswahl mit meinen aktuellen Kompositionen zu kombinieren.“
„Both Sides Now“, ein Klassiker aus dem Songbook von Joni Mitchell, eröffnet das Album. Kühn mag den poetischen Text: „Im Leben gibt es irgendwie doch immer beide Seiten, aber am schönsten ist es, wenn sie einander sogar bereichern und fließend ineinander übergehen können, um etwas ganz Neues entstehen zu lassen.“

 

Der Titelsong „Yellow + Blue“, eines von fünf neuen Stücken, bringt beide Perspektiven auf den Punkt: Das Weiche, Zarte, die warme bluesige Klangfarbe Blau steht neben dem Grellem, dem impulsiv Leuchtenden. Und aus diesem Kontrast wird wiederum eine neue musikalische Farbe. 

 

Die grenzenlose musikalische Neugier des 1929 in Köln geborenen Sohns eines Zirkusakrobaten wird von seinen an Jahren deutlich jüngeren Mitmusikern mit spürbarer Gegenliebe aufgenommen. Wie schon bei seinen letzten Einspielungen für das Label MPS/Edel („Stereo“, 2015 und „Spotlights“, 2016), mit ihren fliegend wechselnden Konstellationen aus Duo, Trio oder Quartett entfaltet der zweifache ECHO-Preisträgerauch diesmal wieder „große Musik in kleinen Besetzungen“ (WAZ) – und kreiert dabei überraschende Klangfarben und Instrumentierungen. „Schon der erste Probentag war einfach purer Spaß für uns alle. Ich spüre sofort, ob im Studio die Chemie stimmt. Hier war es vom ersten Moment an ein Ideen-Austausch auf Augenhöhe, geprägt zugleich von einer ungewöhnlichen Vertrautheit“, schwärmt Kühn.Der Klarinettist kann bei jedem der Titel, den er interpretiert, die Zeit der Entstehung noch mit eigenen Erinnerungen anfüllen. Gelebte Jazz-Geschichte. Dabei reicht das Repertoire von den „Angel Eyes“, populär geworden durch Frank Sinatra, über die Michel-Legrand-Komposition „What Are You Doing The Rest Of Your Life?“ bis zum Song „I’m Through With Love“, den vor allem Marilyn Monroe im Billy-Wilder-Film „Manche mögen’s heiß“ unsterblich gemacht hat.Erstmals in seiner langen Karriere hat Kühn endlich auch eine Version von „Body And Soul“ auf CD eingespielt, die Jazz-Ballade par excellence. Auch hier gilt für den Jazzklarinettisten, der sich auf seinem Instrument immer noch als Lernender sieht: Jedes Stück hat seine Unschuld, etwas Pures, dem er auf den Grund gehen möchte. „Der Text ist dabei für mich ganz wichtig. Ich habe ihn beim Spielen immer im Kopf. Und wie schaffe ich es dann, dass die Klarinette in ihrer ganzen Fülle wie eine menschliche Stimme klingt?“

 


Rolf Kühn, „Deutschlands coolster Jazzer“ (Die Welt), der im Orchester von Benny Goodman noch die Swing-Ära miterlebte und sich dann in allen Spielarten des Modern Jazz weiterentwickelte, agiert heute freier und mutiger denn je. Und das neue Album „Yellow + Blue“ zeugt zugleich von einer nun schon mehr als 70 Jahre andauernden Affäre – der unstillbaren, aufregenden Liebe zu seiner ältesten Lebens-Freundin, der Klarinette.

 

Beim Travejazz Festival 2019 wird es zu der spannenden Begegnung von Rolf Kühn, Lisa Wulff und Frank Chastenier mit dem Schlagzeuger Eric Schaefer kommen.Eric Schaefer ist kein 0815 Schlagzeuger, keiner der im Hintergrund nur den Groove hält oder stupide mit den Besen rührt. Das ist ihm zu wenig. Sein Instrument ist gestaltbildendes Element. Schaefer ist vielmehr ein Schaffender, Aktiver und Kreativer. Damit ist er eines der heimlichen Zentralgestirne in der […] deutschen Jazzszenewie die Wochenzeitung Die Zeitschreibt. Die Süddeutsche Zeitungbezeichnet ihn als Großstadtmusiker, der die Jazzwelt aus manchen Angeln hebt.

 

Geboren 1976 in Frankfurt, ausgebildet in Köln und Berlin, ist Schaefer vor allem als Mitglied des vielfach preisgekrönten Michael Wollny Trios bekannt. Bereits zweimal gewann er für sein Spiel in dieser Formation den ECHO Jazz „Bester Schlagzeuger national“: 2011 für „[em] Live“ und 2015 für „Weltentraum“.Aber als wäre dies noch nicht genug, ist Schaefer seit mehr als drei Jahren auch der Pulsgeber in der aktuellen Band von Rolfs jüngerem Bruder Joachim, dem Joachim Kühn New Trio.   

 

Etwa 50 veröffentlichte Tonträger als Bandleader, Komponist und Sideman hat er bereits auf seinem Konto. Gäbe es einen Nobel-Preis für Schlagzeug, wäre Eric Schaefer laut dem Rolling Stoneein ganz heißer Kandidat dafür. 

 

Frank Chastenier: (Piano) Ein Pianist mit warmen Grundton, sensibel, ein nach allen Seiten offener Partner - so hat Rolf Kühn den Kölner Frank Chastenier, Jahrgang 1966, schon zu den Aufnahmen seines Album "Internal Eyes" (2006) zu schätzen gelernt. Mehr als zwei Jahrzehnte prägte Chastenier lang den Sound der WDR Big Band maßgeblich mit (mehr als 50 Alben), zugleich hat er auf vielen Produktionen von Künstlern wie Till Brönner und Thomas Quasthoff mitgewirkt. Seine Solo-CD "For You" wurde mit dem Jazz-Award der Deutschen Phonographischen Industrie ausgezeichnet.

 


Lisa Wulff: (Double Bass) Die gebürtige Hamburgerin hat die Basis für ihr virtuoses, gleichermaßen einfühlsames Spiel - auf dem Kontrabass wie E-Bass - mit ihrem Studium an der Hochschule für Künste in Bremen gelegt. Was gleich eine besondere Bande knüpfte: Ihr Lehrer Detlev Beier (1957-2016), einer der profiliertesten deutschen Jazzbassisten, war langjähriger musikalischer Weggefährte Rolf Kühns. Lisa Wulff, Jahrgang 1990, arbeitet als Studiomusikerin und Bandleaderin (Lisa Wulff Quartett). Für ihr Debüt-Album "Encounters“ erhielt sie 2016 den Jazz Baltica Förderpreis. In diesem Jahr folgte der mit 10.000 Euro dotierte Hamburger Jazzpreis.

 

 

 

 

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