Q4


 

Saxophonquartette sind in der Jazzgeschichte immer eine äußerst rare Spezies geblieben. Das World Saxophone Quartet, das 29thStreet Saxophon Quartet, das Rova Saxophon Quartet oder die Kölner Saxophon Mafia bilden da die seltenen Ausnahmen. Einendes Element der Musik dieser Formationen war ihre eher akademische Ausrichtung, die immer mehr den Kopf als die Beine ihrer Hörer ansprach. 

Umso schöner, dass mit Q4 vor wenigen Jahren ein weiterer Vertreter dieser seltenen Gattung das Licht der Welt erblickt hat, der mit seiner Musik und seinem Sound Intellekt und Bauch gleichermaßen anspricht.

 

Die stupend virtuosen Einzelstimmen der Holzbläser des Quartetts - alle in jahrelangen künstlerischen Lern- und Reifungsprozessen zu wahren Meistern ihres Faches geworden – haben sich in nur knapp zwei Jahren zu einem ganz eigenständigen Gruppensound miteinander verschränkt, der internationale Vergleiche absolut nicht zu scheuen braucht und völlig für sich selbst steht. 

 

Neben ihrer Arbeit mit Q4 hat Tini Thomsen (Baritonsax) noch ein weiteres kreatives Standbein, ihr Quintett MaxSax, das bislang drei Alben veröffentlichen konnte und zu den besten Live-Bands des Landes zu zählen ist. In der Vergangenheit arbeitete sie bereits mit Weltstars wie Dr. John und Incognito, aber – keine idiomatischen Grenzen kennend – u.a. auch mit dem deutschen Rapper Cro. Außerdem war sie Mitglied im kurzzeitig reformierten Saxophonquartett Itchy Fingers. 2015 wurde ihr im Rahmen der Jazz Baltica der IB.SH-Jazzaward verliehen, ein Jahr später der Deutsche Musikautorenpreis.

Nigel Hitchcock (Altsax) gilt seit langem als der „Go-To-Sax Player“ der britischen Rock- und Popelite. Er spielte u.a. auf Alben von Joe Cocker, Jamiroquai, Kate Bush oder Tom Jones und ist seit Jahren festes Mitglied in der Band von Mark Knopfler. Auch er spielte bei den Itchy Fingers.

Ebenfalls Mitglied in diesem Quartett war Björn Berger (Tenorsax). Seit Jahren der meistgebuchte „Sub“ auf allen Positionen von Lead-Alt bis Bariton und allen Nebeninstrumenten bei der NDR Bigband, spielte er mit dieser Formation u.a. mit Till Brönner, Al Jarreau, Randy Brecker, Peter Erskine oder Nils Landgren. Desweiteren arbeitete Björn mit Nils Gessinger und Roger Cicero. 

Komplettiert werden Q4 durch Fiete Felsch, den Lead-Altisten der NDR Bigband. Seit 1995 ist das Gründungsmitglied des BuJazzO festes Miglied dieses renommierten Klangkörpers. Fiete Felsch ist seit 1999 Professor an der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg und war dort sowohl Lehrer von Tini Thomsen als auch von Björn Berger.

   

Auf ihrem Debütalbum „Uphill Struggle“ entwirft das Quartett zwölf akustische Wirkräume, die allesamt durch ihre zupackende „Tightness“ bestechen. Dabei spielt Q4 mit einem „Swing“ und „Drive“, den man eher mit den Bläsersections gut abgestimmter Bigbands als mit den spröden klanglichen Architekturen vergleichbarer Formationen in Verbindung bringt. Da das gesamte Programm  von „Uphill Struggle“ auch noch mit regelrecht süchtig machenden Grooves, tollen Themen und knackigen Hooklines versehen ist, entwickelt das Album schnell eine Sogwirkung, der man sich nicht zu entziehen vermag.

 

Kompositorische Finesse (bis auf den niederländischen Evergreen „Pappie loop toch niet zo snel“ von Peter Koelewijn enstammen sämtliche Stücke den Federn von Tini Thomsen und Nigel Hitchcock) und nuanciertes, expressives sowie fein austariertes Spiel aller Beteiligten führt zu einem intensiven kommunikativen Miteinander, ohne dass die zwölf Tracks auf „Uphill Struggle“jemals Gefahr laufen, sich in klanglichen Verdichtungen und Abstraktionen zu verlieren. Sie bestechen vielmehr mit ihrer Unmissverständlichkeit, Klarheit, Eleganz und narrativen Schlüssigkeit.

 

Zu ihren Kompositionen haben sich Tini Thomsen und Nigel Hitchcok von Alltagserlebnissen und persönlichen Erfahrungen inspirieren lassen. So enstand „Glenroon“während eines Aufenthalts an der Südküste Irlands oder das ursprünglich für Orchester geschriebene „Skye Blues“als Hommage an die Isle of Skye, die größte Insel der Inneren Hebriden vor der Westküste Schottlands. „Yatta Watte“und „Uda Watte“sind diesen beiden exklusiven Teesorten aus dem Hochland Sri Lankas gewidmet und die Namen des Titeltracks „Uphill Struggle“oder des exquisiten „Panda Gets Funky“sprechen für sich.     

 

Kurzum, ein wunderbar vielschichtiges und kurzweiliges Programm, das auf vergnügsame Weise Anspruch und Unterhaltung miteinander in Einklang zu bringen versteht. 

 

 

Tini Thomsen - Baritonsaxophon

Nigel Hitchcok - Altsaxophon

Fiete Felsch - Altsaxophon & Sopransaxophon

Björn Berger - Tenorsaxophon

 


 

Auftritt auf dem Travejazz Festival:

 

TJ 11 Holyjazz

JAZZ-GOTTESDIENST IN ST. JAKOBI

Mit dem saxofonquartett q4

  • 10:40 Uhr
  • St Jakobi zu Lübeck
  • Eintritt FREI!